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Der Durchbruch ist geschafft: Erste Homo-Ehen in Griechenland geschlossen

Trotz Widerstands seitens der orthodoxen Kirche und des Staatsanwaltes von Athen wurden auf Tilos zwei Homo-Ehen geschlossen

Die ersten Trauungen zwischen homosexuellen Paaren in Griechenland sind perfekt: Gegen den Willen der orthodoxen Kirche, des Justizministers und des Staatsanwalts von Athen hat der Bürgermeister der kleinen Dodekanes-Insel Tilos, Anastasios Aliferis, am Dienstag zwei Männer und zwei Frauen standesamtlich getraut, berichtete das Fernsehen.

Die Zeremonien fanden aus Angst vor Reaktionen von religiösen Fanatikern um 07.00 Uhr morgens statt. "Was auf Tilos stattgefunden hat ist illegal und ungültig. Trauungen dieser Art sind nicht vorgesehen", sagte am Dienstag der griechische Justizminister Sotirios Chatzigakis im Rundfunk.

Der Bürgermeister des 64 Quadratkilometer Eilands mit gut 300 Einwohnern sah eine Gesetzeslücke, die ihm erlaube, die Trauungen vorzunehmen. Nach einem Gesetz von 1982 sei die Eheschließung "zwischen zwei Menschen" und nicht zwischen "Mann und Frau" möglich, hieß es. "Wir haben einen großen Schritt in die Richtung der Gleichberechtigung und der Menschenrechte gemacht", sagte Evangelia Vlami, eine der zwei Frauen, die auf Tilos heirateten im griechischen Rundfunk.

In Griechenland wird jetzt mit einem langen juristischen Tauziehen gerechnet. Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob Anklage gegen den Bürgermeister von Tilos erhoben werden sollte, berichteten lokale Radiosender aus der Hauptstadt der Inselgruppe der Dodekanes Rhodos.

Der Bürgermeister von Tilos, Anastasios Aliferis, sagte dem griechischen Radiosender Alpha: "Ich habe nur meine Pflicht als Mensch getan. Alle Menschen haben Anspruch auf Glück und zu definieren, wie sie und mit wem sie leben wollen." Der auch als Arzt auf Tilos arbeitende Aliferis gilt seit Jahren als einer der fortschrittlichsten Bürgermeister Griechenlands.

Der Verband der griechischen Homosexuellen (OLKE) geht davon aus, dass der griechische Staat auf juristischem Weg früher oder später das Problem zugunsten der Homosexuellen lösen muss. Diese Überlegung basiert auf den Verträgen, die Griechenland als EU-Mitglied unterzeichnet hat. "Diskriminierungen darf es nicht mehr geben. Das Thema werden wir notfalls bis zur EU und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte tragen", sagte ein Sprecher der OLKE am Dienstag im Rundfunk.

Die orthodoxe Kirche hat gleichgeschlechtliche Ehen wiederholt als eine "Bombe in den Fundamenten der Gesellschaft" bezeichnet. In Griechenland gibt es nicht die eingetragene Lebenspartnerschaft.

Homosexualität wird in der Gesellschaft - ausgenommen der Kirche - akzeptiert. "Man redet nicht offen darüber, man nimmt es eben so wie es ist. Ich habe selten schlechte Erfahrungen gemacht", sagte ein homosexueller Barmann im Zentrum Athens am Dienstag.